Schlangen nur verschleudern ihre Häute,
Daß die Seele wachsen kann, gedeiht.
Doch wir sind nicht Schlangen ähnlich, leider,
Wir vertauschen Seelen, nicht den Leib.
Erinnerung, du, Hände einer Riesin,
Die das Leben führt, wie Zaum und Pferd.
Mir hast du so oft jene gepriesen,
Die der Körper bis zu mir genährt.
Häßlich war der erste, klein und dünn,
Liebte nur die Finsternis der Haine,
Das abgefallne Blatt, das zauberische Kind
Suchte durch das Wort, den Regen anzuhalten.
Nur ein Bäumchen und ein roter Hund,
Waren es, die er sich nahm zu Freunden.
Erinnerung, du findest keinen Grund,
Die Welt, daß ich das war, zu überzeugen.
Jedes Rauschen war wie Leierklang
Dem zweiten, und er liebte Wind von Süden,
Sagte, daß das Leben er zur Freundin nahm,
Ein Teppich sei die Welt zu seinen Füßen.
Er gefällt mir überhaupt nicht, dieser,
Denn er wollte Gott sein, und ein Zar,
Denn er hing das Firmenschild des Dichters
Vor mein Haus, in dem es schweigsam war.
Jener ist mir lieb, der Freiheit wählte,
Meere querte, jedem Kampf gefeit,
Ach, was ihm die Wasser laut erzählten
Und wie ihn die Wolken sahn voll Neid.
Hoch hat er die Zeltbahn aufgespannt,
Mulis trugen ihn den Weg der Steine;
In dem weißen, unbekannten Land
Sog er Frischluft ein, wie süße Weine.
Erinnerung, wirst schwächer mit den Jahren,
War's dieser schon, war es der andre noch,
Der, um keiner Freiheit zu entsagen,
Im lang ersehnten, heilgen Kriege focht?
Kannte Durst und Hunger, jede Sorge,
Erregte Träume, Wege, endlos, weit,
Doch berührte zweimal der heilige Georgij,
Das durch Kugeln nie berührte Kleid.
Und dann ich, der aufrecht-finstre Bauherr
Jenes Tempels, der durchs Dunkel scheint.
Ich berufe stolz den Ruhm des Schöpfers:
Wie's im Himmel ist, soll's auch auf Erden sein.
Und das Herz wird hell wie Feuer brennen
Bis zum Tag, wenn heller sie erstehn,
Jerusalems, des neuen, hohe Wände
Meinem Heimatland, wenn andre Banner wehn.
Denn seltsam werden Winde sich erheben
Und schrecklich gießt vom Himmel sich das Licht.
Es erblühen plötzlich Galaxien,
Der Garten der Planeten blendet meine Sicht.
Unbekannt, erscheint mir ein Begleiter,
Ders Gesicht verbirgt: doch ich versteh
Alles, seh den Löwen, in seinen Spuren, heiter,
Und den Adler, kreisend, wie er zu ihm strebt.
Und ich schreie... Doch wer hilft beim Streite, –
Daß die Seele, sterbend, noch verweilt?
Schlangen nur verschleudern ihre Häute,
Wir vertauschen Seelen, nicht den Leib.